Naturkundliche- bzw. Naturwissenschaftliche Sammlungen - Chaos oder sinnvolles Management?

 

Ein Themenbereich, dessen Lösung in Österreich kultur- und wissenschaftspolitisch dringend erforderlich wäre! Die Bedeutung und der Wert naturwissenschaftlich wertvoller Sammlungen ist offensichtlich nicht ausreichend bekannt. Von Biodiversitätsforschung allgemein (und seltener speziell) ist immer öfter die Rede. Kaum wird die Bedeutung der taxonomischen Forschung und der damit verbundene Wert wissenschaftlicher Sammlungen gewürdigt und gefördert. Für Spezialisten mit Einblick in die konkrete Sachlage grenzt es an grobe Fahrlässigkeit, was dazu im gerne einmal "gelobten" Kulturland Österreich verabsäumt wird oder doch nur bisher unerkannt geblieben ist.

 

Davon betroffen sind auch einige Mitglieder der Naturkundlichen Gesellschaft Mostviertel und wir selbst (H. u. R. Rausch). Z. B.: Von einigen Forschern der 'ngm' wurden privat wertvolles (selbstverständlich gänzlich unkäufliches) systematisch im Rahmen der Biodiversitätsforschung erarbeitet, konserviert, geordnet usw.. Es sind Forschungsgegenstände, -Objekte, -Grundlagen für vorgenommene und künftige Bearbeitungen, Vergleiche, Überprüfungen usw.. Auch im Zusammenhang mit dem Einsatz neuer Forschungsmethoden und -Erkenntnisse (aktuell z.B. für molekularbiologische Untersuchungen). Weltweite monographische Bearbeitungen sind mit diesen Sammlungen untrennbar verbunden. Diese Sammlungen sind als wissenschaftliches Kulturgut von internationaler und nationaler Bedeutung! Sie laufen derzeit Gefahr, früher oder später auf leisen Sohlen das Land verlassen zu müssen oder zu verkommen. Und zwar desshalb, weil sich keine verantwortliche Öffentlichkeit im Land bisher zu diesem Thema gefunden hat um die Bedeutung zu erkennen und die entsprechenden Mittel und Strukturen zu etablieren. Oder haben sich die Verantwortlichen bisher lediglich noch nicht zeit- und ordnungsgemäß informiert (... informieren wollten ... oder können)? Die Zeit dafür wäre längst reif für konstruktive Überlegungen und Handlungen.

 


Weiters darf ich hier auch ergänzend anmerken, dass die bekannte Mostviertler Firma Forster, Waidhofen an der Ybbs, hervorragende Regalsysteme weltweit und auch an unsere Museen genau für diese konkreten Zwecke verkauft. In diesen oder ähnlichen Regalsystemen müssen sich künftig alte Sammlungsbestände und neue Zuwächse verknüpfen (das ist heute kein unlösbares Problem, wie Warenlager aller Art vorbildlich beweisen). Bisher jedoch blieb dies - von den guten Verschub-Regalen abgesehen - ohne jeder zeitgemäßen Logistik. Verstaubte und veraltete Dokumentationen sind selbstverständlich nicht nachhaltig und nur dazu angetan, kontraprodukive Eindrücke und Ohnmacht zu erwecken. Diese Einsicht müssen sich Kustoden und übergeordnete Verantwortungsträger in ihr Stammbuch schreiben. Wichtig wären entsprechend standardisierte und vernetzbare "Veredelungen" dieser Dokumentationen. Das gute Regal-Produkt der Firma Forster bietet aber derzeit leider keine Gesamtlösung (im Gegensatz z.B. für Papierarchivierungs-Systeme). Dies wäre aus unserer Sicht ein Gebot der Stunde und eine neue Herausforderung! Umständliche und veraltete Archivierungen beinhalten zudem mehrfache Risken und können zu unverantwortbaren Verlusten führen (was in der Tat auch schon passiert sein soll). Als unabhängiger Kenner dieser vielschichtigen und speziellen Sammlungsituation und -Problematik (national und teilweise international) darf ich hier weiters hinweisen, dass damit z.B. weitere Wertschöpfungen (quasi "ein Sprung in die richtige Richtung") möglich sind.

Umso erfreulicher ist ein aktueller Anstoss zu werten. Es ist ein in der Tat sehr dringender und von uns längst erwarteter! Die Rede ist hier von einer Initiative seitens der Zoologisch-Botanischen Gesellschaft Österreichs (früher ZooBot, aktuell ZBGÖ). Den Initiatoren gebührt ein großer Dank und unsere aufrichtige Gratulation. Doch es ist dzt. erst einmal ein Anstoss und bis zum notwendigen Durchbruch ist noch ein Stück Weges konstruktiv zu gehen. Die Gefahr besteht dabei, in Sackgassen zu geraten. Der Folder (siehe pdf-file unten) der Reihe "Die Bedeutung von Sammlungen in der modernen Wissenschaft" beinhaltet eine Einladung zum 1. Workshop 2011 "Die Sammlungen der Zoologischen Institute der Universität Wien" am 16. Nov. 2011, 16 h s.t., Karl Burian-Hörsaal im Biozentrum, Althanstrasse 14, 1090 Wien. Herr Univ.-Prof. Dr. Fritz Schiemer (dzt. Präsident der ZBGÖ und bekanntlich auch Scientific Advisor der WasserCluster Lunz GmbH) schreibt dazu im ersten Satz 'Zum Geleit': "Naturwissenschaftliche Sammlungen und Museen sind unverzichtbar als Bewahrungsstätten der Vielfalt der Natur, als Forschungsstätten, um ihre evolutive und historische Entwicklung nachvollziehbar zu machen, und als Bildungsstätten für die Allgemeinheit sowie für die schulische und universitäre Lehre. .... etc."

Eventuell gelingt doch damit ein "zündender" Anstoss zur Lösung dieser wichtigen und komplexen Frage. Das wäre für eine Reihe von naturforschenden Institutionen, Natur-Museen und privaten Forschern im Land wesentlich und eine Perspektive. Geduld und Mut zu nachhaltigen Lösungen sollte im Interesse der Forschung und somit auch des Landes kein Hindernis sein. Voraussetzung dazu ist ein redlicher und klarer Blick über eigene Tellerränder. Das könnte sich aus unserer Sicht für die Kulturnation Österreich wissenschaftlich und u. U. sogar auch wirtschaftlich langfristig lohnen!

 

Sollten Ihnen die emotionalen und natürlich leidenschaftlichen Zeilen etwas überzogen erscheinen, stehen wir für erklärende Erläuterungen gerne zu Verfügung. Und Wegschauen, Ignorieren und einseitige Missinterpretationen sind schlicht nicht angebracht. Ja, es wäre kulturpolitische Solidarität und auch Evaluierung erforderlich.

 

Mehrere Personen 'unserer ngm' werden zum 1. Workshop nach Wien fahren. Wer Interesse hat, kann sich dazu bei uns melden. Es besteht die Möglichkeit zur gemeinsamen Fahrt am 16. November zum ... "1. Workshop" (0664 / 45 55 455)!

 

Programm zum Download

Joomla templates by a4joomla